
Sozialpädagogische Familienbegleitung
Die langjährige Erfahrung von SecondRound in der Arbeit mit Jugendlichen zeigt auf, dass die Eltern der Jugendlichen oftmals mit den Verhaltensweisen der Jugendlichen überfordert sind. Die Bedingungen und Strukturen der Familiensysteme verändert sich in diesem Entwicklungszeitraum der Jugendlichen meist stark und stellt alle Beteiligten vor neue Herausforderungen. Diese Zeitspanne führt oft zu Konflikten, Missverständnissen und Stress für alle.
Die Jugendlichen befinden sich in diesem Lebensabschnitt in einer prägenden und herausfordernden Entwicklungsphase, die Anforderungen im Alltag sind vielfältig und teils überfordernd. Die Suche und Definierung des Selbst, die schulischen wie beruflichen Herausforderungen, der Wunsch nach Autonomie und Selbstständigkeit, die Positionierung im eigenen Freundeskreis - all diese Punkte können zu Stress-, Konflikt- und Krisensituationen führen, welche dann im Familiensystem sicht- und spürbar werden.
Die Eltern werden mit neuen Fragestellungen in der Erziehung konfrontiert, hinzu kommen der stärker werdende Einfluss der Peers, die Ablösung der Jugendlichen von ihren Eltern und der immense Einfluss von Social Media. Viele Eltern haben wenig bis keine Erfahrung im Umgang mit den rasant wechselnden Medienangeboten ihrer Jugendlichen. Die Kommunikationsstruktur innerhalb der Familie verändert sich, da die Jugendlichen ihr Leben möglichst unabhängig von ihren Eltern gestalten möchten und sich ihre Bedürfnisse wandeln.Das Angebot sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF) für Jugendliche ist eine ambulante und zeitlich begrenzte Unterstützung für Jugendliche und deren Familie, die sich in besonders belastenden Lebenssituationen befinden.
Das Konzept basiert auf langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen im ambulanten wie stationären Bereich, welche aus unterschiedlichen Familiensystemen kommen, mit individuellen Ressourcen, Bedürfnissen und Problemstellungen. Dabei konzentrieren wir uns nicht nur auf Einzelpersonen, sondern berücksichtigen das gesamte Familiensystem, Umfeld und die Umwelt der Betroffenen und betrachten die Symptome sowie Ursachen in diesem Kontext.
Ausgehend davon arbeiten wir partizipativ und systematisch mit dem/der Jugendlichen und dem Familiensystem an einer nachhaltigen und stabilen Verbesserung der Gesamtsituation.Bei der sozialpädagogischen Familienbegleitung handelt es sich um eine bewusst offene Form der Hilfe, die flexibel und passgenau auf die jeweilige Lebenssituation und die Bedürfnisse der Familie abgestimmt wird.
Ziel der Unterstützung ist es, den Familien zu helfen, herausfordernde Situationen und Krisen zu überwinden und mit unserer Hilfe im Verständnis „Hilfe zur Selbsthilfe“, die Probleme zunehmend selbst zu lösen, damit das bestehende Familiensystem Bestand hat und die Jugendlichen nicht platziert werden müssen. In diesem Prozess integriert ist der Lernprozess, dass das gesamte Familiensystem die eigenen Ressourcen erkennen, nutzen und ausbauen kann sowie eine möglichst frühzeitige Erkennung von zukünftigen schwierigen Situationen oder Krisen ermöglicht wird.
Die Entwicklung von neuen Handlungsstrategien spielt dabei eine zentrale Rolle für die Zusammenarbeit und einer nachhaltigen Zielerreichung. Die Ziele werden daher positiv, messbar und erreichbar formuliert, damit die Veränderungen für alle Familienmitglieder klar erkennbar sind. Dabei sind kleine, sichtbare Schritte der Veränderung Erfolgsgeschichten, die das Vertrauen und das Selbstwertgefühl der Familienmitglieder stärken und sie zu weiteren Schritten motivieren.Differenzierte Ziele in der sozialpädagogischen Familienbegleitung wären somit:
- vorhandene Ressourcen sichtbar und nutzbar machen
- einen entwicklungsfördernden Rahmen für Jugendliche schaffen und gestalten
- konstruktive Konflikt- und Lösungsstrategien innerhalb der Familie implementieren
- Erziehungskompetenzen entwickeln
- Grenzen, Regeln und Rituale einführen
- die Möglichkeit eines Verbleibs der Jugendlichen in der Familie klären
- gegebenenfalls zusätzliche oder ergänzende Unterstützungsmassnahmen entwickeln und einleiten
Innerhalb der sozialpädagogischen Familienbegleitung für Jugendliche werden folgende Punkte angeboten:
Situationserfassung: In Einzelgesprächen mit den Eltern sowie den Jugendlichen wird eine Situationserfassung gemacht, die ein möglichst stimmiges Bild der aktuellen Situation der Familienverhältnisse zeigen soll. Bei Bedarf werden hier auch die weiteren Mitglieder (Geschwister, Grosseltern, etc.) des Haushaltes miteinbezogen.
Analyse der Situation: Nach einer ersten Auswertung durch die Fachperson werden in einem gemeinsamen Gespräch mit den Eltern und dem/der Jugendlichen die Erkenntnisse besprochen. Hierbei geht es um eine Konsensfindung mit allen Beteiligten, da die Probleme unterschiedlich gesehen, eingestuft oder bewertet werden. Neben der Suche nach individuellen Fähigkeiten und Stärken sind auch die Suche nach Ressourcen im sozialen Umfeld und der Aufbau sowie die Reaktivierung eines stabilisierenden Netzwerkes ein wesentlicher Bestandteil der sozialpädagogischen Familienbegleitung.
Zieldefinierung für die Zusammenarbeit: Anhand der Problemstellung wird gemeinsam mit den Eltern und Jugendlichen ein Ziel definiert, welches erreicht werden möchte. Um dies zu erreichen, werden individuelle Ziele für die Jugendlichen sowie für die Eltern ausgearbeitet. Hierbei werden die Wünsche und Bedürfnisse von allen Beteiligten berücksichtigt. In diesem Prozessschritt werden die einzelnen Perspektiven und Haltungen geklärt und vor allem jeweils erklärt, damit ein gemeinsames Verständnis erarbeitet werden kann.
- Erziehungsfragen: Eltern können Fragen stellen, ihre Sorgen mitteilen und werden über neue Erziehungsansätze informiert bei Bedarf. Die Fachperson bietet konkrete Handlungsansätze an und nimmt eine vermittelnde Rolle ein. In diesem Prozessschritt liegt der Fokus bei den Eltern. Eltern können eine konstruktivere Zusammenarbeit in der Erziehung erreichen, ein genaueres Verständnis ihrer Rolle erlangen, bei einer aktiven Teilnahme im Familienleben unterstützt werden, ihre Wünsche anbringen und ggf. neue Handlungsmöglichkeiten entdecken, die sich aus ihren Lebensumständen ergeben. Die Fachperson bearbeitet ausschliesslich die Themen, die für die sozialpädagogische Familienbegleitung für Jugendliche relevant sind. Weitere Themen der Eltern wie Beziehungsfragen, Unterstützung im Haushalt, Finanzmanagement, etc. gehören nicht in die Arbeit der Fachperson. Hier werden entsprechende Beratungsstellen empfohlen.
Persönliche Entwicklung: Mit den Jugendlichen wird die aktuelle Situation besprochen und analysiert. Die Jugendlichen bekommen die Möglichkeit ihre Anliegen, Fragen, Wünsche und Problemstellungen mit der Fachperson zu besprechen, damit eine Grundlage für das weitere Vorgehen geschaffen werden kann. Die Fachperson nimmt dabei auch immer eine vermittelnde Rolle zwischen den Jugendlichen und den Eltern ein. Hierbei wird darauf geachtet, dass grundlegend die Beziehung zwischen den Jugendlichen und ihren Eltern stabilisiert und gefestigt wird.
Schulische und/oder berufliche Fragen: Jugendliche befinden sich meist noch in der Schule oder in einer Ausbildung, die Fragen, Herausforderungen und Unsicherheiten mitbringen. Diese können Einfluss auf das Familienleben und/oder die Beziehung zu den Eltern haben. In den Gesprächen wird dies regelmässig thematisiert und bei Bedarf bearbeitet, damit sich dies nicht negativ auf das Zusammenleben auswirkt und gemeinsame Unterstützung mit den Eltern und der Fachperson aufgebaut werden kann.
Bewältigung von Krisen wie z. B. Trennung, physische wie psychische Krankheiten, Sucht, Todesfall etc.: Die Fachperson bietet Handlungsmethoden und -strategien an, die es dem Familiensystem ermöglicht, krisenhafte Zeiten zu überstehen und sich gegenseitig zu unterstützen.
Bewältigung und Beendigung von innerfamiliären Missständen wie häusliche Gewalt, Vernachlässigung etc.: Die Fachperson bewältigt innerfamiliäre Missstände mit den Eltern wie auch den Jugendlichen gemeinsam, solange diese sich für die Jugendlichen im Rahmen des Zumutbaren bewegen. Sollte dies nicht der Fall sein, sprich das Kindeswohl definitiv gefährdet sein, wird die Fachperson dies entsprechend dem Konzept (siehe weiter unten) behandeln und reagieren.
- Oftmals kommen in belastenden Familiensituationen Behörden, Institutionen, Beratungen, etc. hinzu, die die Situation noch komplexer machen. Die Fachperson hilft den Eltern wie auch den Jugendlichen, dies zu bewältigen und die Anliegen bei den entsprechend zuständigen Stellen anzubringen.
- Auch mehrsprachige oder fremdsprachige Familien sind von Krisen oder herausfordernden Situationen nicht ausgenommen. Bei Bedarf sind die Fachpersonen in der Lage, Dolmetschende anzufragen, die helfen, eine gelingende zielführende Kommunikation aufzubauen und somit zum Prozess beitragen.
- Mit den Jugendlichen wie mit den Eltern werden feste Auswertungsgespräche festgelegt, damit eine kontinuierliche Evaluation der Zusammenarbeit stattfindet. Bei diesen Gesprächen werden die Ziele überprüft, die Zusammenarbeit beleuchtet und Anpassungen gemacht.
Die Basis für die sozialpädagogische Familienbegleitung für Jugendliche bildet der Schutz und die Wahrung des Kindeswohls. SecondRound orientiert sich dazu an den Grundsätzen der Profession Soziale Arbeit (Berufskodex von avenir social), dem schweizerischen Zivilgesetzbuch (ab Art. 252) und den Rechten für Kinder der UNO (Kinderrechtskonvention). Inhaltlich definiert dies das übergeordnete Ziel für die sozialpädagogische Familienbegleitung: Ein Umfeld im Familiensystem zu schaffen, das eine gelingende Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht und fördert.
Der Begriff Kindeswohl umschliesst auch das Wohl der Jugendlichen und setzt die gleichen Rechte für die Jugendlichen fest. In der direkten Arbeit mit den Familiensystemen wird zu Beginn einer jeden Zusammenarbeit ein Gespräch über die Rechte der Beteiligten, sprich die Rechte der Jugendlichen wie auch die Rechte der Eltern geführt. Dies bildet den grundlegenden Rahmen für die sozialpädagogische Familienbegleitung für Jugendliche.
Die aufsuchende Arbeit beinhaltet den Kontakt mit dem Familiensystem im jeweiligen Zuhause und setzt ein hohes Mass an Vertrauen in die Fachpersonen voraus, da die Fachpersonen sich in einem sensiblen privaten Bereich bewegen. Die Fachpersonen wahren zu jeder Zeit die Privat- und Intimsphäre der begleiteten Familien. Die Besuche sind immer vorangekündigt und vorbesprochen mit den Eltern und Jugendlichen sowie bewegen sich die Fachpersonen nur in Räumen in den Haushalten, die abgemacht sind mit den Eltern und Jugendlichen.